Kalvarienberg
Ursprünglich befand sich der Kirchhof innerhalb der Stadtmauern auf der heutigen oberen Schlossgartenterrasse, in der Nachbarschaft der damaligen Martinskirche, der Vorgängerin der Stadt- und Schlosskirche. Um 1570 ließ Graf Albrecht von Nassau-Weilburg umfangreiche Baumaßnahmen am Schloss durchführen und um 1572 im Bereich der Martinskirche einen Garten anlegen. Die Anlage dieses Gartens und der begrenzte Platz innerhalb der Stadtmauern machten eine Verlegung des Kirchhofs notwendig.
Mit dem Abschluss der Reformation in der Grafschaft Nassau 1555 bot sich das Gelände um die Passionsstätten für die Nutzung als neuer Kirchhof an. Die bestehende Heilig-Grab-Kapelle diente fortan als Beerdigungskapelle. Ab 1574 wurden hier Leichenreden gehalten, und auf dem alten Friedhof fanden bis Oktober 1900 Bestattungen statt. Eine Ausnahme bildet Hans-Georg Böhme, der 1953 wegen seiner Verdienste um die Erforschung der Passionsstätten dort beigesetzt wurde.
Das terrassierte Gelände fällt in zwei Richtungen ab. Die oberste östliche Friedhofsterrasse wurde 1957 der Katholischen Kirchengemeinde Weilburg für den Bau einer neuen Kirche überlassen. Dabei wurden vorhandene sterbliche Überreste in ein Sammelgrab umgebettet, einige Grabdenkmäler umgesetzt, ein Großteil jedoch entfernt. Auf diesem Gelände waren auch 22 Gefallene des Krieges von 1870/71 beigesetzt; eine Gedenktafel am Kirchturm der Katholischen Kirche erinnert daran.
Heute gehört ein Teil des Friedhofs der Evangelischen Kirchengemeinde, darunter der Nord-Süd verlaufende Streifen mit der Heilig-Grab-Kapelle bis zur Umfassungsmauer hinter dem Heiligen Kreuz. Der östliche Teil ist Eigentum der Stadt Weilburg.
Anfang der 1980er Jahre plante die Stadt, den alten Friedhof in eine Parkanlage umzuwandeln. Die Arbeiten führten zunächst zur Zerstörung zahlreicher Grabdenkmäler. Nach Protesten aus der Bürgerschaft wurde das Vorhaben gestoppt, und der Friedhof wurde stattdessen als parkartige Anlage gestaltet.