Navigation

Schriftgröße: A+ A- A
Layout:

Piseebau Niedergasse

Bei der Fahrt durch die Stadt Weilburg, auf ihrer Hauptverkehrsstraße zwischen Steinerner Brücke und Landtor, passiert man im oberen Teil der Niedergasse einen einzeln stehenden und unscheinbaren Bau. Dieses Wohnhaus ist in Deutschland - und vermutlich darüber hinaus - ebenso einmalig wie der Schifffahrtstunnel, im Gegensatz zu diesem ist die Einmaligkeit dieses Hauses aber sehr viel weniger bekannt und auch vielen Weilburgern nicht bewusst.

Dieses Wohnhaus ist das höchste in Piseebauweise (Lehmstampfbau) (s. Abschnitt "Piseebau") errichte Gebäude Deutschlands. Gebaut wurde das Haus auf dem steil in die Hainallee und zur Lahn hin abfallenden Berghang, weshalb von der Straßenfront an der Niedergasse auch "nur" drei Stockwerke des Gebäudes sichtbar sind. Vom Grund der Hainallee ragt das Wohnhaus sechs Stockwerke in die Höhe.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde das Haus von W. J. Wimpf um 1835 erbaut. Seine beiden Söhne sind als erste Eigentümer für dieses Haus in das Weilburger Stockbuch (Grundbuch) eingetragen (allerdings ohne Jahresangabe). Später ging das Haus an den Procurator Rath und seine Ehefrau, geb. Wimpf über, für den es am 27.11.1850 im Brandkataster eingetragen wurde. Die Maßangaben im Brandkataster und Einzelheiten des Baus decken sich mit Angaben, die Wimpf im Nachtrag zu seiner 1836 erschienenen Schrift über den Piseebau mitteilt.

Danach hat er ein 3stöckiges Gebäude an einem ganz steilen Berg 54 Fuß lang 40 Fuß tief aufführen lassen. Dadurch ist im Souterrain ein großer Kellerraum mit Gurten- und Kappengewölben und noch viel Zimmerraum bis zum Sockel des Gebäudes entstanden, so daß die vordere Front 3 Stock und die hintere 78 Fuß hoch ist und die beiden Giebel noch 6 Fuß höher.

Anmerkung:
(ein Fuß = 30,4 cm)

Das Gebäude ist weit gehend noch im Originalzustand erhalten. Lediglich die obere Hälfte der Südseite (Wetterseite) mit Giebel wurde verschiefert, sonst ist Gebäude verputzt. Der Sockel und Keller sind in Bruchstein ausgeführt. Trotz der Gebäudehöhe, die auf der Rückseite fast 20 m einschließlich des Kniestocks beträgt, ist die Stärke der tragenden Wände nur geringfügig dicker, als bei mehrstöckigen und gemauerten Wänden gefordert wurde.

Drucken
TOP