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Schulgasse

Zwischen Marktplatz und Mauerstraße, parallel zu dieser, verläuft quer durch die Altstadt die Schulgasse. Diese verbindet die zum Marktplatz führende Schwanengasse über die Bogengasse hinweg mit der ebenfalls zum Marktplatz führenden Marktstraße.

Mehrere Teilstücke zusammen bilden heute die "Schulgasse".

Diese sind der östliche Teil von der Schwanengasse bis zur Einmündung in die Bogengasse.

Dann die Strecke ab der Kreuzung Bogengasse bis zu ihrer Einmündung etwa auf der halben Länge der Marktstraße.

Weiterhin die, etwa in der Mitte des Teilstücks Ecke Schulgasse/Bogengasse und Einmündung der Schulgasse in die Marktstraße, abzweigende Gasse, die dann in den oberen Teil der Marktstraße einmündet. Diese Gasse wurde früher treffend mit "Hinter der alten Schule" bezeichnet.
Weilburg; Schulgasse (frühere Bezeichnung "Hinter der alten Schule, Blickrichtung zur Marktstraße)

Und schließlich die kurze Sackgasse die hinter dem alten Pfarrhof (heute Gaststätte "Bürgerhof", Bogengasse 8) abzweigt und bei der es sich um den oberen Teil des alten "Reusche Gäßchen" handelt.

Historisch bemerkenswerte Bauten in der Schulgasse sind die Häuser Nr. 9, 6, 8, 16.

Namensgebend für die Schulgasse war die im Haus Nr. 9 untergebrachte Schule. 1706/07 war dieses Haus als als Ersatz für die Freischule (deren Standort im Jahr 1582 belegt ist mit der Angabe "in der Planken ufm Schießberg"; heute etwa der Bereich Neugasse/Über dem Hainberg) errichtet worden. Die vor der Freischule bestehende Stiftsschule soll sich schon am Standort Schulgasse 9 befunden haben. Als anderer Standort wird das Haus 8 in der Bogengasse vermutet.

Die ev. Freischule wurde 1764 zum Gymnasium erhoben und dieses bezog dann 1780 den Neubau in der Mauerstraße. Die Stadtschule (Elementarschule) blieb bis 1842 im Schulhaus in der Schulgasse, das im Jahr 1790 um eine Etage aufgestockt worden war. Nach 1842 richtete der Buchdrucker Wilhelm Beutter eine Druckerei ein und am 01.06.1862 erschien in der Schulgasse 9 die erste Nummer des Weilburger Tageblatts.

Haus Schulgasse 6 ist das winkelförmiges Wohnhaus an der Abzweigung des früheren "Reusche Gäßchen", gegenüber dem ummauerten ehemaligen Pfarrhof. Vermutlich handelt es sich um einen Fachwerkbau des 17. Jahrhunderts. Auffallend sind die ungewöhnlich weiten Auskragungen die bei der Erweiterung zum Haus Nr. 8 fortgesetzt wurden. Die Trennlinie ist heute durch Verputz nicht mehr erkennbar.

Um 1700 wurde das Haus Schulgasse 8 erbaut. Bei der Restaurierung wurde das Fachwerk an einer Seitenfront freigelegt. Die Traufseite ist verputzt und trägt ein Zwerchhaus. Um die Jahrhundertwende befand sich im Erdgeschoss ein Gemischt- und Kolonialwarenladen, an den die gusseiserne Rahmung aus Pilastern und Gebälk erinnert.

Die beiden Weilburger Heimatforscher Fritz Adolf Schmidt und Erwin Schmidt wurden im Haus Nr. 8 geboren. Die Restaurierung erfolgte durch den Malermeister Hermann Schmidt, der das Gebäude 1976 erwarb.

Schulgasse 16 ist ein nachmittelalterlicher, dreigeschossiger Ständerbau mit hallenartigem Erdgeschoss, das historische Haus "Zum Engel". Der ursprüngliche Doppeleingang befindet sich neben der heutigen Haustür. Die alte Bogenrahmung trägt die Endziffern des Erbauungsjahres 1668 (evtl. handelt es sich auch um das Jahr der Erneuerung) und die Inschrift
"PAX + SALUS."
Die übergreifende Inschrift lautet
"ANNO. ISRAEL... TROST.
WER. REINES. HERZENS. IST."

Links einer Tafel mit einer Engelsfigur findet sich die Inschrift
"Dieses Haus Zum Engel wars benannt",
rechts der Tafel die Inschrift
"Steh auch fürderhin in Gottes Hand".

Die Figur des Engels und die Inschriften links und rechts davon auf den Querbalken waren 1933 von dem pensionierten Lehrer Dolina der ehemaligen Unteroffiziersvorschule neu angefertigt worden.

Das Haus war früher Teil eines großen Anwesens zu dem Scheune, Garten, Stall, Hof und auch eine Ausfahrt nach der heutigen Mauerstraße gehörten. Der Schutzjude Salomon Herz bewohnte das Haus bis 1778 und betrieb darin seinen Kramladen "Zum Engel". Auf Verlangen des Fürsten Carl Christian musste Herz das gesamte Anwesen, das Wohnhaus ausgenommen, beim Bau des Amtshauses in der Mauerstraße gegen das Haus 38 am Marktplatz, genannt "Zum Schwan" eintauschen (Urkunde v. 06.04. 1778).

Nach Wehrum gehörte auch das kleine Fachwerkhaus im oberen Jonasengäßchen zum Wohnhaus Schulgasse 16 und wahrscheinlich auch das Anwesen Nr. 18, das direkt an Nr. 16 anschließt.

Erhebliche Veränderungen (Eingang, Zwerchhaus, Fenster, Anbau) am Haus "Zum Engel" waren bereits um 1890 vorgenommen worden. Das Fachwerk wurde 1933 freigelegt. 1955 wurde das Haus von den Eheleuten Heinrich Heumann erworben die weitere Restaurierungen vornahmen.

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