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Archiv des Rathauses

Volkstrauertag 2016

Sonntag, 13. November 2016, 15.00 Uhr, Friedhof Weilburg

 

Wir erinnern und mahnen, um das Leben zu schützen!

Sehr geehrte Frau Pfarrerin Cornelia Stock,

sehr geehrte Sänger des Männergesangvereins „Liederkranz“ 1829 Weilburg,

meine sehr geehrten Damen und Herren der Freiwilligen Feuerwehr Weilburg, des Deutschen Roten Kreuzes Oberlahn, des Weilburger Hausfrauenvereins, des VdK Weilburg, des Bundes der Vertriebenen Limburg-Weilburg, der Stadt Weilburg an der Lahn, der Reservisten unserer Bundeswehr,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

der Volkstrauertag dient dem Frieden, er erinnert an die Opfer von Krieg, Terror und Gewalt, er mahnt uns stets für Frieden und Freiheit einzutreten, das Leben zu schützen.

Herzlich danke ich Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass sie heute zu dieser Gedenkstunde am Volkstrauertag auf den Friedhof hier in unserer Stadt Weilburg an der Lahn gekommen sind. Dieser Gedenkmoment ist mir auch persönlich ein höchst wichtiges Anliegen, meinen doch viele, zu viele Menschen in unserem Land, in unserer Stadt, dass alles selbstverständlich ist, alles von selbst geschieht, Frieden und Freiheit, Wohlstand und Demokratie. Frieden und Freiheit aber fangen bei mir an, bei jedem einzelnen von uns. Frieden und Freiheit bedürfen des täglichen Einsatzes, des entschlossenen und entschiedenen Eintretens für das menschenwürdige und menschenfreundliche Leben.

Wir gedenken heute der Opfer des I. und II. Weltkrieges, der Opfer von Flucht und Vertreibung zu jeglicher Zeit, den Opfern körperlicher und geistiger Gewalt, und zwar in unserer Stadt, in unserem Land, in unserem europäischen Haus und in unserer einen Welt.

In jüngster Zeit sind wieder verstärkt dunkle Wolken des Krieges, des Terrors und der Gewalt an unserem Himmel aufgezogen. In unserem Land erleben wir wieder körperliche und geistige Gewalt gegen Menschen, nur weil sie anders sind, anders sind in Hautfarbe oder Religion und Glauben, anders sind auf Grund ihrer Herkunft. Dabei schützt doch unser Grundgesetz, unser Fundament gerade auch das „Anders Sein“. Jeder hat das Recht auf freie Religions-ausübung, um nur ein Beispiel zu nennen, da muss man auch „Ja“ sagen zu Moschee und Synagoge. Wer für sich die Rechte der Freiheit fordert, muss anderen Menschen auch dieses Recht gewähren. Wir müssen in diesen Tagen aufpassen, dass wir nicht alle verlieren, Frieden, Freiheit, Wohlstand und Demokratie. Die Bomben auf Aleppo, die Sprengsätze in Afghanistan stehen ebenso für den Unfrieden wie die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer.

Krieg, Terror und Gewalt werden derzeit noch spürbarer: Die Menschen auf der Flucht aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, aus Somalia und Eritrea, die militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine, der Umgang mit der Meinungsfreiheit in Rußland und der Türkei, die nationale Ichsucht politischer Gruppen in Frankreich, Niederlande, Deutschland oder in Ungarn und Polen, oder das politische Vokabular aus den USA. Und diese Liste ließe sich noch lange fortschreiben. Um nur noch einen höchst schmerzlichen Punkt zu nennen: Die körperliche und geistige Gewalt gegen Kinder.

Übrigens, überzogener Nationalismus führt auf Dauer zum Krieg, zur Bedrohung des Lebens der Menschen. Der Volkstrauertag ist daher auch ein Plädoyer für unser gemeinsames europäisches Haus, denn seit es dieses gemeinsame europäische Haus, unsere Europäische Gemeinschaft gibt, leben wir im Frieden. Unsere Vorfahren waren immer vom Krieg bedroht. Die heutige Städtepartnerschaftsarbeit, das Zusammenleben der Weilburger mit Menschen in Frankreich, Niederlande, Slowakei, Luxemburg, Türkei und Italien ist ein wesentlicher Beitrag zum Frieden. Da kann jeder mitwirken. In Europa bestehen rund 40.000 Städtepartnerschaften.

In unserer Welt wachsen derzeit wieder Mauern und Gräben, ob auf dem Balkan oder in den USA oder auch in Deutschland. Auch wachsen wieder Gefängniszellen gegen die freie Meinungsäußerung auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung, so in der Türkei oder in Rußland. Auf Gewalt wird mit neuer Gewalt geantwortet, eine sich selbst treibende Spirale entsteht. Mauern aber haben keinen Bestand, sie werden immer wieder vom Leben zerstört, dies haben wir Deutsche bei der Berliner Mauer und bei der Zonengrenze erlebt und sogar die größte Mauer der Welt, die große chinesische Mauer zerfällt.

Der Volkstrauertag ruft uns auf, uns für Frieden und Freiheit einzusetzen, und zwar in unserer Stadt, in unserem Land, in unserem europäischen Haus und in unserer einen gemeinsamen Welt. Unser Fundament, unsere Lebensgrund-lagen, das Grundgesetz und das Neue Testament verpflichten uns, sollten es uns auch Wert sein, für Menschenwürde und Menschenfreundlichkeit einzutreten, dem Vormarsch der Ichsucht, der Rücksichtslosigkeit und der Rohheit Einhalt zu gebieten. Wer schweigt, der duldet, wer duldet, darf sich nicht wundern, wenn er eines Tages erdulden muss. Unsere Heimat in Geist und Ort ist es wert, sich für sie einzusetzen, für sie das Wort zu ergreifen, falschem Gdankengut Einhalt zu gebieten.

Die Opfer des I. und II. Weltkrieges, die Opfer von Flucht und Vertreibung, die Opfer körperlicher und geistiger Gewalt ermahnen uns, nicht zu schweigen, wenn Gewalt um sich greift. Wer schweigt, macht sich strafbar, strafbar am Leben in Frieden und Freiheit, in Menschenwürde und Menschenfreundlichkeit.

Über 13.000 Menschen mit 83 Nationalitäten leben in unserer Stadt, sind Weilburger, bilden das „Wir“, die örtliche Gemeinschaft. Je besser wir alle zusammen leben, um so besser geht es unserer Stadt und jedem einzelnen Menschen. Nur im „Wir“ liegt unsere Zukunft, das „Ich“ führt auf Dauer stets in die Sackgasse. Unsere Welt ist ein globales Dorf, ein Weltdorf geworden, Klima, Kommunikation, Bildung und Wirtschaft stehen ebenso dafür wie die weltbekannte deutsche Reiselust. Nur, eine lebens- und erlebenswerte Welt gibt es nicht zum Nulltarif, sondern erfordert unseren täglichen Einsatz, keine Leistung ohne Gegenleistung. Wer Freiheit will, muss auch Verantwortung tragen, ja wahrnehmen.

Der Volkstrauertag will erinnern und mahnen, um das Leben zu schützen, der Volkstrauertag will anregen zum Denken, zum Nachdenken, zum Vordenken, auch zum Querdenken. Der Volkstrauertag ruft auf, gemeinsam für das Leben einzutreten, Anwalt und Helfer des Lebens zu sein. Der Volkstrauertag ist ein Tag des Lebens, ein Tag des menschenwürdigen Zusammenlebens in unserer einen Welt!

Aus der Geschichte lernen, um die Gegenwart verantwortungsvoll zu gestalten und um eine menschenwürdige und menschenfreundliche Zukunft zu gestalten, das ist die Botschaft des Volkstrauertages, daher ist der Volkstrauer-tag für jeden von uns, für unsere Familien, für unsere Kinder und Enkelkinder so überaus wichtig.

Danke!

Weilburg an der Lahn, 13. November 2016

Hans-Peter Schick

Bürgermeister

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